Was ist ein Shitstorm? Definition und Beispiele

Das Internet gebiert immer wieder neue Begriffe und schafft durch facettenreiche Neuerungen Lücken, die mit Wörtern besetzt werden müssen.

Aber so ist es eben mit technischen Innovationen, denn schon immer, wenn etwas neues entstand, musste es Einen geben, der es benannte.

So wurde das Mobiltelefon zum Handy, die Litfaßsäule nach ihrem Erfinder und das Gerät, um einen Computer zu bedienen, einfach zur Maus.

Denken wir beispielsweise an das Wort bloggen, wäre eine solche Bezeichnung für das Schreiben wohl noch vor Jahren eher abstrus oder auch gewesen. Nur, weil sich das Wort Blog – eine Neuschöpfung aus Web und Log etablieren konnte, siedelte der Begriff in den allgemeinen Sprachschatz über.

Ähnlich verhält es sich mit googlen, skypen und eben auch Shitstorm, dessen Ursprung und Bedeutung noch vielen Nutzern verborgen ist…

Doch genau dieses Problem oder eher Phänomen, soll in diesem Artikel erklärt werden. Was ist eigentlich ein Shitstorm, was hat es damit auf sich und inwiefern ist der Begriff zwar vollkommen neu und irgendwie doch schon recht altbacken? Krempeln wir die Ärmel hoch und begeben uns auf Spurensuche und versuchen zu ergründen, was ein Shitstorm ist. Auf geht’s…

Shitstorm – Eine Definition

Folgen wir einfach der Übersetzung des Wortes Shitstorm, könnten wir annehmen, dass wir es lediglich mit einem Scheißesturm zu tun haben, aber wie so häufig, haben wir es hierbei wohl eher mit einem falschen Freund (~false friend) zu tun.

Als falschen Freund bezeichnet man ein Paar aus einem fremdsprachigen Wort und einem Wort der Muttersprache, das sich in Schrift oder Aussprache ähnelt, jedoch in der Bedeutung deutlich unterscheidet. (Quelle: Wikipedia)

Viel eher lässt sich das Wort Shitstorm wohl mit einer unguten oder auch unangenehmen Situation vergleichen, die über uns zusammenbricht.

Der Begriff Shitstorm ist in den sozialen Medien gewachsen, jedenfalls die derzeitige Bedeutung des eigentlichen Wortes. Es geht dabei darum, dass eine Situation im Kommentarbereich (Facebook, Blog, Twitter etc.) gewissermaßen eskaliert und aus einer eigentlich sachlichen Kritik oder Meinung, eine Welle der Entrüstung entsteht.

Beispiel für einen Shitstorm: Nehmen wir einmal an, eine fiktive Person X würde sich auf der Fanseite (Facebook) eines Unternehmens beschweren. Worüber auch immer. Die grundlegende Funktionsweise des sozialen Netzwerks sieht es vor, dass alle Fans dieser Seite die Meldung in ihrer Timeline sehen würden.

Würden nun mehrere Nutzer darauf anspringen und sich in unsachlicher Kritik verlieren, die größtenteils beleidigend wäre, hätte wir es mit einem Shitstorm zu tun. So ging es beispielsweise dem Mobilfunkanbieter Vodafone im Juli 2012, als aus einer simplen Statusmeldung ein regelrechter Shitstorm wurde, der über 150.000 Gefällt Mir – Angaben und rund 6.000 Likes provozierte.

Vergleichbar ist ein Shitstorm also bestenfalls mit einem Flame, der dem Forenspam nicht unähnlich ist. Zum Vergleich empfiehlt sich die Lektüre des entsprechenden Wikipedia-Artikels.

Sind Shitstorms schlecht?

Man kann es sehen, wie man will, aber eines bringen solche Wellen der Entrüstung immer mit sich: Jede Menge aufmerksame Blicke. Rechnen wir das Ganze einmal an unserem Beispiel durch, wird offensichtlich, dass der werbewirksame Effekt eines solchen Shitstorms nicht zu unterschätzen ist.

Wir nahmen vorhin an, dass rund 150.000 Likes und rund 6.000 Kommentare abgegeben wurden. Streichen wir der Einfachheit halber die Kommentare und multiplizieren lediglich die Likes mit den durchschnittlichen Freunden eines Facebook-Nutzers (~200).

Unterm Strich sind das nahezu 30 Millionen Menschen, die in ihrer Timeline über die jeweilige Fanseite stolperten und den Mobilfunkanbieter zu Gesicht bekommen.

Zwar ist negative Presse nicht unbedingt das gelbe vom Ei, doch wie sagt man so schön? Schlechte PR ist eben auch PR! Ge‘?

Merkmale eines Shitstorms

Nun ist es recht schwierig einen Shitstorm von außen zu beurteilen. Haben wir es lediglich mit einer kleinen Aufregung zu tun oder kracht es gleich so richtig? Deshalb macht es Sinn, sich nochmals die Merkmale eines Shitstorms vor Augen zu führen.

  1. Ein Shitstorm ist meist als Angriff auf die Reputation, also das Ansehen, einer Person, einer Branche oder eines Unternehmens zu verstehen.
  2. Fühlen sich andere Nutzer durch die aufflammende Kritik selbst angesprochen, entwickelt ein Shitstorm in sozialen Medien oftmals eine Eigendynamik.
  3. Im Laufe eines Shitstorms tritt sachliche Kritik meist völlig in den Hintergrund und Beleidigungen und Pöbeleien dominieren.

 

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